Chor

Pressestimmen

WAZ am 17.04.17 zur Matthäus-Passion am 14.04. in Witten

Das Klangbild der Chöre war ausgeglichen und sauber intoniert bei guter Textverständlichkeit. Die Choräle gelangen lyrisch fließend (O Haupt voll Blut und Wunden), während Titel wie „Sind Blitze, sind Donner“ oder „Lass ihn kreuzigen“ ihre volle Wucht und Dramatik entfalteten.

Zur Rezension

Chorleitung

Chorleiterin Susanna Andersson-Dornwald – eine Künstlerbiographie

Susanna Andersson-Dornwald, gebürtige Schwedin und in einer Musikerfamilie aufgewachsen, ist eine in München und Köln ausgebildete Konzert- und Opernsängerin. Als Dozentin für Gesang lehrte sie am Institut für Waldorfpädagogik in Witten-Annen. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Sängerin, die sie in mehrere europäische Länder und die USA führte, arbeitet sie seit 20 Jahren stimmbildnerisch in musikalischen Projekten mit Schülern aller Altersgruppen, wobei sie meistens auch als Dirigentin tätig ist. Nachdem sie gebeten wurde, die Leitung des Oberstufenchores einer Wittener Schule zu übernehmen, ließ sie sich zur Chorleiterin ausbilden. 2003 gründete sie das Ensemble „Soalbate“, aus dem sich später der Ama-Deus-Chor entwickelte. Susanna Andersson-Dornwald erwarb zudem das gesangspädagogische Zertifikat und ist Mitglied im Bund Deutscher Gesangspädagogen.

Der Ama-Deus-Chor – die Anfänge

Alles beginnt im Jahr 2003: Susanna Andersson-Dornwald leitet den Oberstufenchor der Wittener Rudolf-Steiner-Schule. Für die Aufführung des Requiems von Mozart lädt sie zur stimmlichen und moralischen Unterstützung Schülereltern zum Mitsingen ein. Den Oberstufenchor übernimmt später ein Kollege – aber die Eltern denken nicht daran aufzuhören! Im Laufe der Jahre wächst der Chor auf rund sechzig Mitglieder.

„Aus absoluter Freiheit heraus Musik gestalten“

Frage: Was bedeutet der Chor dir?

Susanna Andersson-Dornwald: „Der Chor bedeutet mir sehr, sehr viel. Mit diesen wunderbaren Menschen Kultur zu schaffen, ist ein Geschenk. Denn das sind wir – Kulturschaffende im Bereich der Musik! Wir sind nicht an die Kirche, nicht als Kantorei an eine Stadt gebunden – insofern können wir aus absoluter Freiheit heraus Musik gestalten. Es ist einfach toll, auch als Nicht-Kirchengängerin durch die Aufführung geistlicher Musik Christentum und die christlichen Jahresfeste intensiver zu erleben und sie auch für meine Sängerinnen und Sänger erlebbar zu machen.“

„Jeder hat das Recht, große Chorwerke zu singen!“

Was ist dir bei der Chorarbeit besonders wichtig?

Susanna Andersson-Dornwald: Das Ruhrgebiet ist historisch geprägt von Kohle- und Stahlindustrie und harter Arbeit – das wirkt sich bis heute auf die Menschen aus, die hier leben. Aber genauso, wie jeder Mensch Fahrrad fahren oder schwimmen lernen kann, muss doch auch jeder seine Gesangsstimme entwickeln dürfen. Ich möchte Kultur aus dem Elitären herausholen. Jeder hat das Recht, große Chorwerke zu singen und sein sängerisches Potential zu entwickeln! Insofern stimme ich mit Joseph Beuys und seinem Ausspruch ‚Jeder Mensch ein Künstler‘ voll überein. Dass sich der Chor so entwickelt hat, dass wir heute achtstimmig große Oratorienliteratur singen, habe ich bei der Gründung überhaupt nicht ahnen können.“

„Ein Ort, an dem nicht gesungen wird, hat kein Licht!“

Was ist deine größte Herausforderung?

Susanna Andersson-Dornwald: „Viele Deutsche neigen doch dazu, sich ständig selbst abzuurteilen. Tatsächlich ist es eine meiner größten Herausforderungen, mit dieser übertriebenen Selbstkritik umzugehen! Auch war und ist bisweilen das Erbe des Nationalsozialismus spürbar, was sich in einer gewissen Scham mancher Deutscher gegenüber deutschem Kulturgut bemerkbar macht: Das deutsche Liedgut ist ja durch die Nationalsozialisten geradezu vergewaltigt worden. Insofern haben die Nazis die deutsche Kultur bis ins Mark geschädigt. Es war in manchen Kreisen lange Zeit beinahe verpönt, Volkslieder oder Lieder deutscher Komponisten zu singen. Zum Glück ändert sich das gerade. Denn: Ein Ort, an dem nicht gesungen wird, hat kein Licht!“